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Sandra Hempel wird 1972 in Pinneberg geboren, wächst in Tornesch auf und spielt zunächst einige Jahre Akkordeon und Klavier, bevor sie im Alter von 16 Jahren zur Gitarre wechselt. Wenig später beginnt sie sich für Jazz zu interessieren, spielt in lokalen Bands und wird 1991 Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Schleswig-Holstein.

Nach dem Abitur studiert sie am Hilversumer Konservatorium in Holland, der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und im Anschluss daran mit einem Stipendium der Studienstiftung am Amsterdamer Konservatorium/NL. Von 2001-2003 lebt Hempel mithilfe eines DAAD Stipendiums in New York, studiert dort im Graduiertenprogramm der Aaron Copland School of Music am Queens College und schließt ihr Studium im Sommer 2003 mit dem „Master of Arts“ ab.

Konzerttätigkeiten und CD-Aufnahmen führen sie ins In-und Ausland: u.a mit Steve Swallow, Herb Geller, Will Vinson, Seamus Blake, Rick Margitza, Nils Landgren, Wolfgang Schlüter, Ulita Knaus, der NDR Big Band, dem Jazzbalticaensemble, dem Bundesjazzorchester „Bujazzo“ (Ltg. Peter Herbolzheimer) und der New Cool Collective Big Band/NL.

Derzeit spielt sie u.a. bei Dan Gottshalls „Artful Earfull“, Jonas Schoen Sextett, Herb Geller Quartet,
Lutz „Hammond“ Krajenski Group, “Burn”, Jazzhaus Orchestra Hamburg, Buggy Braune Quintett, Kosmischer Souverän und ihrem eigenen neuen Projekt, dem Sandra Hempel 4-tett.

 

Preise und Auszeichnungen:

  • 2002 Louis Armstrong Award der amerikanischen ASCAP  Foundation
  • 2007 Jazzförderpreis des Kulturforums Schleswig-Holstein
  • 2011 Pinneberger Kulturförderpreis

 

Gutes Gespräch mit Gitarre – Feiner Jazz von und mit Sandra Hempel

Dieser Artikel erschien in der Zeitung DIE WELT am 4.10.2012, von Stefan Hentz

Seit Jahren zählt die Gitarristin Sandra Hempel zu den vielseitig geschliffenen Juwelen der Hamburger Jazzszene. So kennt man sie, sensibel den Songs der Sängerin Ulita Knaus Raum und Stimmung gebend, sicher und prägnant den großen Klangkorpus der NDR-Bigband belebend, groovy die Flamme unter den Rhythmus von diversen Latin- und Funkbands haltend oder konzentriert die Tiefen der harmonischen Möglichkeiten auslotend, wenn der Anlass eine Stippvisite in zwielichtigen Bezirken der zeitgenössischeren Spielarten des Jazz hergibt. Eine Instrumentalistin für alle Fälle, und genau darin steckt auch ein Problem: Neben der allseitigen Bewunderung für die vielfältigen Talente der Gitarristin blieb verborgen, wo ihr musikalisches Herz schlägt, wo sie sich als Musikerin selbst sieht.

Das Sandra Hempel Quartet, das am Dienstag in der „Bar 227“ spielte, lüftete den Schleier. In zwei ausladenden Sets steckten die vier Musiker auf der Basis von Kompositionen der Leaderin ein musikalisch weites Feld ab, das keinen Zweifel daran ließ, dass im Zentrum ihrer Musik der Austausch, das Wechselspiel von Agieren und Reagieren, von Zuhören und Anregen steht. Mit dem Saxofonisten Sebastian Gille hat sie sich für dieses Spiel einen idealen Partner erwählt: Mit großer Ruhe und Konzentration spielen sich die beiden ihre Ideen zu und achten dabei strikt darauf, keinen Ton ins Geschwätzige, Unverbindliche abgleiten zu lassen. Eher wird bei jedem Ton ein Trennungsschmerz hörbar, im rauen Hauch, der Gilles Spiel prägt, in einer sehr zurückgelehnten Phrasierung Hempels und in ihrem klassischen bis auf kleine Zugaben von Echo und Verzerrung naturbelassenen, warmen Jazz-Gitarrenklang.

Jeder Ton ist hier kostbar und gehaltvoll, jede Phrasierung erhöht die Spannung auf den nächsten, und den Musikern ist deutlich anzusehen, dass diese Spannung auch sie selbst ergreift. Sandra Hempel ist eine ausgezeichnete Musikerin, das wussten die Zuhörer in der „Bar 227“ schon zuvor, doch wie gut sie sein kann, wenn sie ihrem eigenen Pfad folgt, davon haben sie erst nach diesem Abend eine Ahnung.